Das sind die Hauptauslöser für Überschuldung in Deutschland

Überschuldung
Mehr als ein halbe Million Bürger gerieten hierzulande im vergangenen Jahr durch ihre finanziellen Verpflichtungen in Not. Warum Privatpersonen hauptsächlich in die Schuldenfalle tappten, zeigt eine aktuelle amtliche Statistik. Auffällig sind zum Teil deutliche Verschiebungen bei den Gründen.

In erster Linie wegen Arbeitslosigkeit sind die Bundesbürger im vergangenen Jahr in schwere finanzielle Notlagen geraten. Dahinter folgen die Faktoren „Erkrankung, Sucht, Unfall“ und „unwirtschaftliche Haushaltsführung“. Die beiden letztgenannten Auslöser werden häufiger, während die Arbeitslosigkeit an Gewicht verliert. Dies zeigt die Überschuldungstatistik 2020 des Statistischen Bundesamtes, die auf Angaben der Schuldnerberatungs-Stellen beruht.

Fast jede dritte Überschuldung in Deutschland war im vergangenen Jahr auf weggebrochenes oder zu geringes Arbeitseinkommen zurückzuführen. Dies geht aus der Überschuldungsstatistik 2020 hervor, die das Statistische Bundesamt (Destatis) kürzlich veröffentlicht hat. Datenbasis sind die Angaben von 593 der deutschlandweit rund 1.430 Schuldnerberatungs-Stellen zu etwa 143.000 hilfesuchenden Personen. Diese wurden auf die Grundgesamtheit aller durch diese Stellen beratenen Bürger hochgerechnet.

Insgesamt suchten letztes Jahr über 588.000 Menschen bei den Schuldnerberatungs-Stellen Hilfe, das sind etwa ein Prozent mehr als im Vorjahr. Von 2018 auf 2019 war der Zuwachs mit fast 1,9 Prozent noch etwa doppelt so stark angestiegen. Die Statistiker hoben hervor, dass anhand der Daten nicht ermittelt werden könne, inwieweit die aktuelle Erhöhung durch die Corona-Pandemie bedingt sei.

Arbeitslosigkeit ist Hauptproblem bei Überschuldung

Hauptauslöser für Überschuldung war 2020 mit einem knappen Fünftel (19,7 Prozent) erneut der Faktor „Arbeitslosigkeit“. Zusammengerechnet mit dem an fünfter Stelle liegenden Auslöser „längerfristiges Niedrigeinkommen“ (9,6 Prozent) ergibt sich ein Anteil der beiden Faktoren an der Verschuldung aller Ratsuchenden von 29,3 Prozent. Rund 16,5 Prozent, also in etwa jede sechste Schuldnerberatung, wurde wegen gesundheitlicher Probleme, konkret der Einkommensminderung oder Einkommensausfällen wegen Krankheit, Sucht oder Unfall nötig.

In jedem siebten Fall (14,5 Prozent) ging die finanzielle Notsituation auf eine unwirtschaftliche Haushaltsführung zurück. In knapp jedem achten Fall (12,7 Prozent) war der Auslöser „Trennung, Scheidung oder Tod des Partners“. Rund 8,2 Prozent der finanziellen Schwierigkeiten bei den Beratungssuchenden sind auf eine gescheiterte Selbstständigkeit zurückzuführen.

In nur jeweils jedem 45. Fall und damit vergleichsweise selten führten Zahlungsverpflichtungen aus einer Bürgschaft, Übernahme oder Mithaftung dazu, dass eine Beratungsstelle aufgesucht wurde. Eine gescheiterte Immobilienfinanzierung war für weniger als jeder 60. Überschuldung Hauptauslöser. Auf eine unzureichende Kredit- oder Bürgschaftsberatung ging sogar nur etwa jede 75. Beratung hauptsächlich zurück.

Zum Teil deutliche Verschiebungen

Mit der Zeit hat sich die Bedeutung einiger der Hauptauslöser deutlich verändert. So führt etwa Arbeitslosigkeit tendenziell etwas seltener in die monetäre Bredouille. Hier gab es zuletzt in vier Jahren Rückgänge in Folge – von 21,1 Prozent im Jahr 2016 auf aktuell 19,7 Prozent. Kontinuierlich zugenommen hat hingegen die Bedeutung des Faktors „Erkrankung, Sucht, Unfall“. Der Anteil fällt mit aktuell 16,5 Prozent um drei Prozentpunkte höher aus als noch 2015.

Sogar um über fünf Prozentpunkte häufiger als 2015 ging eine Schuldnerberatung 2020 mit 14,5 Prozent in erster Linie auf eine unwirtschaftliche Haushaltsführung zurück. Auch beim „längerfristigen Niedrigeinkommen“ gab es eine deutliche Zunahme: Der Anteil hat sich von 3,4 Prozent im Jahr 2015 auf 9,6 Prozent in 2020 fast verdreifacht. Keine deutlichen Schwankungen waren bei den Hauptmotiven „Trennung, Scheidung, Tod des Partners“ sowie „gescheiterte Selbstständigkeit“ zu beobachten.

Von der Rangfolge haben sich die beiden häufigsten Hauptmotive für eine Überschuldung, nämlich Arbeitslosigkeit und gesundheitliche Probleme wie Krankheit oder Unfall, seit Jahren nicht geändert. Dafür ist seit 2019 die unwirtschaftliche Haushaltsführung auf Platz drei und der Niedriglohn auf Platz fünf und damit jeweils um einen Rang nach oben gerutscht. Die Verschuldungsursachen „Trennung, Scheidung oder Tod des Partners“ und „gescheiterte Selbstständigkeit“ sind dagegen um je einen Rang nach unten auf die Plätze vier und sechs gesunken.

Im Schnitt über 29.000 Euro Schulden

Wie das Amt weiter mitteilte, waren 35,3 Prozent der im vergangenen Jahr beratenen Personen abhängig erwerbstätig und 1,1 Prozent selbstständig tätig. Bei der Mehrheit (43,4 Prozent) lag Arbeitslosigkeit vor – laut Destatis „unabhängig davon, ob diese als Hauptauslöser genannt wurde oder nicht“. Das verbleibende Fünftel war anderweitig nicht erwerbstätig (wie etwa im Rentenbezug).

„Bei Personen, die von Überschuldung betroffen sind, kommt Arbeitslosigkeit überdurchschnittlich häufig vor; die Arbeitslosenquote lag im Jahr 2020 laut Bundesagentur für Arbeit insgesamt bei 5,9 Prozent“, fassen die Statistiker zusammen. Die durchschnittlichen Zahlungsverpflichtungen von überschuldeten Menschen bezifferte das Amt auf 29.230 Euro. Dabei hatten Arbeitslose mit gut 21.000 Euro deutlich niedrigere Verbindlichkeiten als Personen mit Arbeitsstelle (etwa 37.000 Euro).

Den Rückständen steht bei den Erwerbstätigen mit 1.440 Euro andererseits ein um 55 Prozent höheres Nettoeinkommen als bei den Arbeitslosen (934 Euro) gegenüber. Keine großen Unterschiede ergeben sich bei der Überschuldungs-Intensität der beiden vorgenannten Gruppen. So bräuchten Personen mit Arbeitsstelle rein rechnerisch 26 Monatseinkünfte, um schuldenfrei zu sein. Bei den Arbeitslosen sind es 23 Monatseinkünfte.

Persönlicher Schutz vor dem finanziellen Abstieg durch Überschuldung

Wem das monatliche Einkommen nicht ausreicht, um die anfallenden Lebenshaltungskosten und finanziellen Verpflichtungen zu bezahlen, kann sich auf der Webseite der Bundesarbeits-Gemeinschaft Schuldnerberatung e.V. informieren. Neben diversen Hintergrund-Informationen, Checklisten, Musterbriefen und Vordrucken finden Interessierte hier einen Onlineberatungsdienst sowie Adressen zu seriösen landesweiten Schuldner-Beratungsstellen, die eine kostenlose Beratung anbieten. Entsprechende Anlaufstellen können auch über das Sozialamt erfragt werden.

Um gar nicht erst in finanzielle Schwierigkeiten zu kommen, ist es sinnvoll, die wichtigsten Risiken, die zu einer Überschuldung führen können, bereits im Voraus abzusichern. Entsprechende Lösungen für eine finanzielle Absicherung, um beispielsweise Einkommensverluste nach einem schweren Unfall, bei einer lang andauernden Krankheit oder im Todesfall des Hauptverdieners zu vermeiden, bietet die private Versicherungswirtschaft an.

Des Weiteren bieten private Versicherer Möglichkeiten, teils sogar mit staatlicher Unterstützung, Geld für unvorhergesehene Ereignisse, für bestimmte Ziele oder auch für das Alter anzusparen. Ein Beratungsgespräch mit einem Versicherungsfachmann hilft bei der Suche nach der individuell passenden Vorsorgelösung.

Marcus

Marcus Chantraine

Agenturinhaber

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